Ca. 1 1/2 Fahrstunden von Flores entfernt, befindet sich Tikal. Wir sind natuerlich erst um 8.00 Uhr aufgebrochen. Alle, die bereits um 5.00 Uhr gestartet sind, um den Sonnenaufgang bei den beruehmten Maya Ruinen zu sehen, haben diesen leider auch nur im Bus erlebet.

Tikal ist schwer beeindruckend. Mir ging durch den Kopf, dass die Leistungen unserer Gesellschaft vor der Industrialisierung und Technologisierung auch nicht groesser waren, als die der Maya. Und was wohl passiert waere, wenn anstelle der Europaeer die Maya Elektrizitaet und moderne Techniken erfunden haetten. Blut waere wahrscheinlich auch dann viel geflossen, aber wer weiss ?
Die Stimmung im weitlaeufigen Areal ist unbeschreiblich. Die Luft ist erfuellt von einer angenehmen tropischen Schwuele und vom Summen und Singen der Insekten und Voegel. Ausser diesen Geraeuschen und dem Rascheln der Blaetter, hoert man nichts.
Wer lange genug still in einer schattigen Nische sitzt und die zum Himmel kletternden Steinstufen mit den sich darueber tuermenden Wolken betrachtet, der kann vielleicht erahnen, wie zur Bluetezeit der Mayakultur die Grand Plaza ueberfuellt war mit kupferfarbigen Menschen in bunten Gewaendern, waehrend ein Prister, mit in allen Farben des Regenbogens schimmernden Federkopfschmuck, auf der letzten Stufe der heiligen Pyramide, seinen Arm mit dem Obsidianmesser hebt, um ihn Sekunden spaeter auf den Auserwaehlten nieder zu stossen, der die Ehre hat, sein Herz und sein Leben fuer den Sonnengot zu Opfern.

udjung - 16. Feb, 18:03